Hauptorgel , Schleswiger Dom, Schleswig - III Manuale / 51 Register
 

Schleswiger Dom

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Geschichte - Zustand - Konzept - aktuelle Bilder

Geschichte der Schleswiger Domorgel:

Orgel im Dom 1788

In der Mitte des 15. Jahrhunderts wurden erstmals Orgeln am Dom erwähnt, wo im Dom die Hauptorgel stand, ist allerdings unbekannt. Um 1555 wird von einem Orgelneubau berichtet, 1610 fand eine kostspielige Erneuerung statt. Auf den Stand von 1610 geht die heutige Orgel in ihrer Grundanlage zurück. Das eichene Balkengerüst, sowie Teile des Prospekts stammen aus dieser Zeit. Ein Rückpositiv muss hier bereits bestanden haben, denn es wurde 1684 erneuert. Aus diesem Werk stammen wahrscheinlich die Pfeifen der Spitzflöte 4', die auch im Rückpositiv der jetzigen Orgel stehen. 1701 bis 1705 wurde die Domorgel wieder erneuert. Sie besaß auf zwei Manualen und Pedal 29 Stimmen, von denen 15 im Rückpositiv standen und nur jeweils 7 im Hauptwerk und Pedal. Bereits 20 Jahre später erweiterte man das Hauptwerk um 4, und in der Folge das Pedal um 5 Stimmen. Die Prospektgestaltung in Form und Farbe aus den Jahr 1701 wurde an der Orgel von 1963 wieder hergestellt.
Von 1746 bis 1773 fanden drei Reparaturen durch Johann Daniel Busch und J. D. Busch d.J. statt. Die Firma Angel aus Flensburg baute 1788 seitliche Pedaltürme für fünf neue Stimmen hinzu. Unter Verwendung alten Pfeifenmaterials wurde 1839 von der Firma Marcussen & Reuter eine neue Orgel gebaut (47 Stimmen auf drei Manualen). Wegen Bauschäden an der Westwand war im Jahre 1886 eine provisorische Versetzung der Orgel in das nördliche Querhaus notwendig. Im Jahre 1893 wurde die Orgel auf der neuen Empore im Westen wieder aufgebaut. Diese Arbeit geschah durch die Firma Rohlfing aus Osnabrück. Bei dieser Gelegenheit wurde das Rückpositiv entfernt.

 

Orgel im Dom 1920 Kurz vor dem ersten Weltkrieg sollte Marcussen einen Neubau vornehmen, der aber wegen des Kriegs nicht vollendet werden konnte. Die Firma Sauer aus Frankfurt/Oder stellte das Werk 1920 fertig. Dabei wurde zeitbedingt viel schlechtes Material verwendet. Die Traktur war erstmals pneumatisch und der Spieltisch freistehend.
1950 nahm die Firma Walcker aus Ludwigsburg mehrere Reparaturen vor. Die Traktur wurde elektrifiziert. 1953 musste ein neuer Orgelmotor eingebaut werden, da die gesamte Stadt Schleswig von Gleichstrom auf Wechselstrom umgestellt wurde. Der ursprünglich Pfeifenbestand ging im Laufe der zahlreich Erweiterungen und Umbauten bis auf wenige Ausnahmen verloren.
Die Sauerorgel war dann bald reparaturbedürftig geworden. Wegen der eindeutigen Sachlage, dass die Reparaturen teurer würden als ein Neubau, wurden am 12.7.1958 folgende Firmen um Angebote gebeten: 1. Walcker, Ludwigsburg. 2. Kleuker, Brackwede. 3. Beckerath, Hamburg. 4. Marcussen, Apenrade, wobei Marcussen erst später um ein Angebot gebeten wurde. Nach langen Überlegungen bekam am 9./10.7.1960 die Firma Marcussen den Zuschlag für einen Neubau. Am 22.1.1963 wurde mit dem Abbau der alten Orgel begonnen, ab August begann der Aufbau der neuen Orgel. Der Festgottesdienst zur Einweihung fand am 22.12.1963 Uhr statt.Die Marcussen-Orgel ist ein qualitätvolles Zeugnis einer großen Neobarock-Orgel, von denen es nicht [mehr] viele gibt. Doch der Zahn der Zeit hat auch an ihr seine Spuren hinterlassen, so dass nun eine umfassende Restaurierung der gesamten Orgel dringend erforderlich ist.

 

Orgel im Dom 1963

Der Preis für das Instrument von der Firma Marcussen betrug 195.148 DM. Die Pfeifen der Orgel sind nun wieder im Prospekt von 1701 untergebracht, allerdings stehen sie wesentlich enger als zuvor (weil es mehr Register waren als zur Entstehungszeit des Prospekts).
Der in die Emporenbrüstung eingelassene Teil der Orgel, das Rückpositiv, wurde völlig neu in neu entworfenem Gehäuse erbaut, da von den verschiedenen Brüstungsorgeln, die im Laufe der Jahrhunderte hier gestanden haben, nichts mehr vorhanden war.

Neben dem alltäglichen Verstimmen und Verstauben wurden folgende größere Mängel und Änderungen behoben und vorgenommen:
1969 wurden die Knöpfe für die Pedal- und Supplementkombination wegen Behinderung beim Spielen versenkt. Zudem wurde die Schaltung des Registerschwellers wegen des automatischen Ausschaltens der Handregister geändert. Das Regal 16' aus dem Brustwerk wurde 1983 gegen eine Oboe 8' ausgetauscht, um die Spielmöglichkeiten des Brustwerks zu erweitern. Außerdem wurde die Terz aus dem Brustwerk gegen eine neue mit weiterer Mensur ausgetauscht. Auch eine Instandsetzung des Brustwerks war nötig.
1989 erfolgte die Instandsetzung der gesamten Orgel für 42.100 DM.
1991 kam es zu Durchstechern im Hauptwerk wegen der Lösung von Leimfugen in der Windlade. Es folgten Ausbau, Reparatur, Wiederaufbau und die Nachintonation. Außerdem wurden 50 Tastenbeläge aus Elfenbein erneuert. Die elektronischen Schaltanlage für die freie Pedalkombination wurde geändert. Die Kosten für diese gesamte Instandsetzung betrug 47.847 DM.

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Zustand der Schleswiger Domorgel:

  • Gesundheitsheitsschädlicher Schimmelpilz machen sich breit
  • Dämmmaterial löst sich in der Motorkiste auf und gelangt über die Windanlage bis in die Windladen.
  • Die Registerzüge sind stark verschlissen, gleichzeitiges Ziehen mehrerer Registerzüge ist wegen verkantender Zügen unmöglich.
  • Die Pfeifen stehen viel zu eng und verhindern die klangliche Entfaltung.
  • Der Spieltisch ist äußerst unergonomisch und entspricht nicht den heutigen Anforderungen nach Programmiermöglichkeiten und einer sensiblen Spieltraktur.

 

 

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Konzept für die Arbeiten an der Schleswiger Domorgel:

Die Domkirchengemeinde zu Schleswig plante eine grundlegende Überarbeitung der Marcussen-Orgel aus dem Jahre 1963 (III/Ped, 51 Reg.). Der jetzige Zustand ist der Bedeutung und Ausstrahlung der Domkirche und den Ansprüchen an die kirchenmusikalische Arbeit nicht mehr angemessen.

Grundlage des Konzeptes für die geplanten Arbeiten ist die Entscheidung, dass die Marcussen-Orgel weiter unverkennbar bleiben soll. Große neobarocke Orgeln sind inzwischen „historische“ Orgeln, die es zu erhalten gilt. Da die Fa. Marcussen in der Epoche des sog. neobarocken Orgelbaus stilbildend und führend war, gilt das in besonderer Weise auch für die Orgel im Schleswiger Dom, die zudem in einem wertvollen historischen Gehäuse steht.

Die dauerhafte und vollständige Funktionssicherheit der Orgel muß wieder hergestellt werden. Die wesentlichen Charakteristika des Neobarock werden dabei erhalten. Die größeren Eingriffe im Pedal sowie Veränderungen im BW beseitigen die aus der Enge im Gehäuse resultierende Probleme, ohne die für neobarocke Orgeln typische enge Pfeifenstellung völlig aufzulösen. Zur Erklärung: 1701 hatte die Orgel im historischen Gehäuse nur je 7 Stimmen auf Hauptwerk und Pedal. Später dann 11 im Hauptwerk und 12 im Pedal, heute sind es 12 im Hauptwerk, 13 im Pedal plus 14 im Brustwerk unterhalb des Hauptwerks.

Eine umfassende Nachintonation wird die „Persönlichkeit“ des Instruments respektieren und erkennbar bleiben lassen.

Die Orgel wird, wie bei der bei Erbauung geplant, um ein viertes Manual als Ergänzungswerk erweitert. Damit erschließt sich ein breiteres Repertoire und es erweitern sich die Möglichkeiten für die kirchenmusikalische Arbeit an der Domkirche.

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Aktuelle Fotos von den Arbeiten an der Domorgel:

Windlade für den Schleswiger Dom wird gelegt
Die Windlade wird auf das Schwellwerksgerüst gehoben

Windlade für den Schleswiger Dom wird gelegt
Vorsichtig werden die 200 kg in Position gebracht

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Windlade für den Schleswiger Dom wird gelegt
"Legen" der Windlade auf dem massiven Balkengerüst

Trakturdetail
Kombination aus Alt und Neu

Der neue Spieltisch für die Orgel des Schleswiger Doms
Der neue Spieltisch für die Orgel des Schleswiger Doms

Detail des neuen  Spieltisch für die Orgel des Schleswiger Doms
Detailansicht der Schublade des Setzersystems

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Registerschilder
Registerschilder aus Ebenholz

Eingabefeld der Setzeranlage
Eingabefeld der Setzeranlage

Teilfanzierungsmöglichkeit der Orgel
Das Orgelbier aus Schleswig !

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Quellen:
Jänig, Volker: Dokumentation des Orgelneubaus der Firma Marcussen & Sohn im Schleswiger Dom aus dem Jahre 1963. In: Beiträge zur Schleswiger Stadtgeschichte, Band 41, 1996, S. 101ff

Domgemeinde Schleswig (Hrg.): Die Orgeln im Schleswiger Dom, Sonderdruck aus dem Buch "Eider, Treene und Schlei", 1987